Zank um die Betriebskosten

Im vergangenen Jahr wurden 53 000 Euro für die Vereinsmitglieder erstritten

VON DETLEF HORENBURG, 25.03.10

QUEDLINBURG/MZ. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Rund 53 000 Euro hat der Mieterverein Wernigerode und Umgebung für seine Mitglieder gegen unberechtigte Forderungen der Vermieter im vergangenen Jahr erstritten. Ganz oben auf der Liste der Beratung stehen dabei fehlerhafte Betriebskostenabrechnungen. Fast jede dritte Beratung dreht sich darum. Es folgen Probleme zu Schönheitsreparaturen, Wohnungsmängel sowie Streit um die Mietkaution.

 

"In einem Fall sollte eine junge Familie rund 200 Euro an den Vermieter nachzahlen, wir haben die Betriebskosten überprüft und konnten schließlich fast 1 000 Euro Rückzahlung an die Mieter herausholen", weiß Anke Herlt zu berichten. Die Rechtsberaterin und Immobilienkauffrau leitet hauptberuflich die Beratungsstellen in Wernigerode und Quedlinburg.

 

"Auch im 20. Jahr unserer Gründung erweist sich die Arbeit des Mietervereins als unverzichtbar, um die Interessen der Mieter zu vertreten und ungerechtfertigte Forderungen des Vermieters abzuwehren", erklärte Marion Heim. Die Rechtsanwältin ist seit 1996 für den Verein tätig und seit April 2009 1. Vorsitzende. Der Mieterverein Wernigerode wurde am 6. März 1990 gegründet. Derzeit zählt er 817 Mitglieder. Darunter sind 220 aus dem Altkreis Quedlinburg, da sich der Quedlinburger Verein 2002 aufgelöst hatte. Das jüngste Vereinsmitglied ist 19 Jahre alt, das älteste 96 Jahre. Während 2009 120 neue Mitglieder gewonnen werden konnte, waren es in diesem Jahr bereits 42.

 

Im vergangenen Jahr wurden rund 788 Beratungen, darunter 275 in Quedlinburg, durchgeführt. Dazu gehört neben der telefonischen und persönlichen Beratung natürlich auch das Prüfen von Mietnachforderungen, sprich vorrangig die Betriebskostenabrechnungen samt dem dazugehörigen Schriftverkehr.

 

Bildete vor etwa 15 Jahren ein Beratungsschwerpunkt die Grundmieterhöhung nach Wohnraummodernisierung, so ist es heute das besonders leidige Thema der falschen Betriebskostenabrechnung. Anke Herlt: "Ein Grund dafür, dass sich das Thema der falschen Abrechnungen so hartnäckig auf der Tagesordnung hält, ist die Tatsache, dass diese für den Mieter so gut wie undurchschaubar sind." So wundert sich der eine oder andere Bürger immer wieder darüber, dass er trotz ständigen Energiesparens immer deftiger zur Kasse gebeten wird. So auch in einem Fall, wo ein Vermieter eines Mehrfamilienhauses seine private Heizöllieferung einfach auf die Mietparteien umlegte.

 

"Wer eine fehlerhafte Betriebskostenabrechnung vermutet, sollte sich also von kompetenter Stelle beraten lassen. Dies gilt besonders jetzt auch nach dem strengen Winter", rät sie. In manchen Fällen wurde sogar keine Betriebskostenzahlung vereinbart oder nicht detailliert aufgelistet, welche Kosten überhaupt umlegbar sind.

 

Zu den häufigen Fehlern zählt auch, dass die Eichfristen beispielsweise für die Wärmemengenzähler oder die Wasserzähler nicht vom Vermieter beachtet werden. In diesen Fällen dürfen die Messergebnisse nach der Eichordnung nicht verwendet werden.

 

Ein besonders häufiger Mangel, der sich in Jahresabrechnungen einschleicht, seien beispielsweise falsche Quadratmeterzahlen des Wohnraums. Deshalb der Tipp, sich möglichst genau über die tatsächliche Größe der Wohnung zu informieren. Stehen sogar Wohnungen in einem Haus leer, muss der Vermieter die darauf entfallendenden Kosten selbst tragen, wie Vereinsvorsitzende Marion Heim weiß. Das gilt auch für die Betriebskosten, die von einem Verbrauch abhängen.

 

Der Mieterverein Wernigerode und Umgebung bietet in Quedlinburg im Neuen Weg 22-23 Sprechstunden an. Diese sind donnerstags von 9 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung.

 

Telefonisch ist der Verein zu erreichen unter: 03946 / 90 74 94 oder 03943 / 63 27 39